Das Jahr 2025 wird unberechenbar und voller Überraschungen sein, gerade vor dem Hintergrund der künftigen Trump-Administration. Darum gilt es, in Sachen Geopolitik, Wirtschaft und Technologie das Undenkbare zu denken. Und unter diesen Prämissen sind die Schweizer Regierung und das Parlament verpflichtet, eine glaubwürdige Landesverteidigung sicherzustellen, wie Beat Wittmann in seinem Essay für finews.first schreibt.
In dieser Rubrik nehmen Autorinnen und Autoren Stellung zu Wirtschafts- und Finanzthemen.
«Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich zu einem Abnutzungskrieg ohne absehbares Ende gewandelt. Russland bleibt fest entschlossen, den Krieg fortzuführen, und sein militärisches Potenzial wird in den nächsten Monaten weiter zunehmen.» So klar, konzis und korrekt hält es der Lagebericht des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) «Sicherheit Schweiz 2024» vom 22. Oktober 2024 fest.
Die NATO und die EU in Brüssel beurteilen die europäische Sicherheitslage gleichermassen. Unterdessen wurde in den USA Donald Trump gewählt, der von den Nato-Partnern in Europa verlangt, ihre Verteidigungsbudgets von aktuell 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf bis zu 5 Prozent zu erhöhen.
«Das macht die Schweiz zur grössten Trittbrettfahrerin Europas»
In diesem Umfeld ringt sich das Schweizer Parlament in einem beispiellosen Akt der sicherheitspolitischen Nabelschau zu einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben von 0,8 Prozent auf 1 Prozent des BIP per 2032 durch. Dies macht die Schweiz zur mit Abstand grössten sicherheitspolitischen Trittbrettfahrerin Europas, was bald eine international unhaltbare Position sein wird.
Das Ausmass der Realitätsverleugnung der Regierung und des Parlaments in Bern in der Sicherheitspolitik erinnert in fataler Weise an den selbstverschuldeten Kollaps der Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS).
Denn dieselbe toxische Faktorenkombination ist im Politbetrieb wieder am Werk: fachliche Inkompetenz; systemische Interessenskonflikte; Ignoranz bezüglich internationaler Kontexte und Abhängigkeiten; unheilige Allianzen von aussen links und aussen rechts Parteien; Maximierung von Partikularinteressen wie Subventionen; Silodenken und das strukturelle Versagen bei Verbundaufgaben; Intransparenz durch «Non-Meetings»; Amtsanmassung und Irreführung der Öffentlichkeit.
«Nur so lassen sich Investments in die Rüstung entstigmatisieren»
Nationale Sicherheit, um Souveränität, Wohlstand und eine sichere Zukunft zu gewährleisten, ist die ursächlichste und absolut wichtigste Aufgabe eines Staates – so auch der Schweiz. Entsprechend betrifft die nationale Sicherheit rund um den harten Kern einer einsatzbereiten Armee ebenso die Politik, die Wirtschaft und kritische Infrastrukturen wie die Energieversorgung und die Cyber-Sicherheit.
In den EU-Staaten rechnet man mit einem Finanzierungsbedarf für Verteidigung von 500 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren aus. In diesen Dimensionen wird es darum gehen, einerseits die fragmentierte Rüstungsindustrie zu konsolidieren, um kosteneffizienter und schlagkräftiger zu werden, und andererseits sich bezüglich nationaler Budgetplanung und der Lancierung europäischer Defense Bonds (Wehranleihen) zu einigen.
Dabei wird es unumgänglich sein, im grossen Umfang privates Investmentkapital zu mobilisieren. Hier gilt es Überzeugungsarbeit bei Investoren und der Zivilgesellschaft zu leisten. Nur so lassen sich Investments in die Rüstung entstigmatisieren.
«Zur nationalen Sicherheit gehört eine starke Rüstungsindustrie»
Viele KMUs und Startups sind essenziell für Innovationen und die Massenproduktion von Drohnen, elektronischer Kriegsführung und militärischer Aufklärungsmittel. Hier ist die Schweiz mit ihren weltweit führenden Hochschulen ETH und EPFL stark positioniert.
Zur nationalen Sicherheit gehört als integraler Bestandteil eine starke Rüstungsindustrie. Dabei geht es darum, eine gewisse strategische Autonomie bei Kleinwaffen und Munition sicherzustellen; und bei komplexeren Systemen wie Artillerie, Kampflugzeugen und Luftabwehrraketen Teilproduktion, Wartung und Reparaturen zu gewährleisten; und bei Zukunftstechnologien ein Eco-System aus ETH/EPFL, Startups und RUAG zu bilden und zu kommerzialisieren.
Konkret und dringend ist es darum, das Kriegsmaterialgesetz zu ändern, damit Exporte in demokratisch regierte Länder möglich sind.
«Moderne militärische Konflikte sind multidimensional und transnational»
Die Geopolitik mäandert zwischen «Yalta», also einer Ordnung, die in Interessensphären nach dem Recht des Grösseren und Stärkeren getrennt ist, oder «Helsinki», also der multilateralen Ordnung, die sich nach der Demokratie und den Menschenrechten ausrichtet.
Moderne militärische Konflikte sind multidimensional und transnational und betreffen Land, Luft, Weltall, Meere und den Cyber-Raum. Die Schweiz als globalisierter Kleinstaat, geographisch im Herzen Europas gelegen und Teil der westlichen Wertegemeinschaft, braucht unabdingbar enge Kooperationen mit der EU, den G7-Staaten und der Nato.
«Gewinnen wird, wer am anpassungsfähigsten ist»
Das Jahr 2025 wird unberechenbar und voller Überraschungen sein – gerade vor dem Hintergrund der künftigen Trump-Administration. Darum gilt es umso mehr, in Sachen Geopolitik, Wirtschaft und Technologie das Undenkbare zu denken.
Diktaturen wie auch Demokratien werden kollabieren, die nukleare Proliferation wird sich fortsetzen, genauso wie die Evolution der Energieversorgung, Quantum-Computing und Künstliche Intelligenz (KI) werden in der Kriegsführung noch verstärkt zum Einsatz kommen – und am Ende wird gewinnen, wer im Sinne von Charles Darwins Evolutionstheorie am anpassungsfähigsten ist.
Unter diesen Prämissen sind die Regierung und das Parlament durch die Verfassung verpflichtet und durch die Bedrohungslage gefordert, eine glaubwürdige Landesverteidigung sicherzustellen. Im Sinne der Transparenz und demokratischer Verantwortung wäre es ein richtiger und überfälliger Schritt, anlässlich des jährlichen Lageberichts des NDB die Chefs des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), der Schweizer Armee und des NDB gemeinsam zum Hearing ins Parlament aufzubieten und diese Anhörung per Livestream der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Beat Wittmann ist seit gut acht Jahren Chairman und Partner der in Zürich ansässigen Finanzberatungs-Gesellschaft Porta Advisors. Der Bündner blickt auf eine mehr als 30-jährige Karriere im Schweizer Bankwesen zurück, die ihn unter anderem zu den Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse sowie zu Clariden Leu und Julius Bär führte. Von 2009 und 2015 war er zunächst selbständig und danach für die Schweizer Raiffeisen-Gruppe im Asset Management tätig.
Bisherige Texte von: Rudi Bogni, Rolf Banz, Werner Vogt, Walter Wittmann, Alfred Mettler, Robert Holzach, Craig Murray, David Zollinger, Arthur Bolliger, Beat Kappeler, Chris Rowe, Stefan Gerlach, Nuno Fernandes, Richard Egger, Dieter Ruloff, Marco Bargel, Steve Hanke, Urs Schoettli, Maurice Pedergnana, Stefan Kreuzkamp, Oliver Bussmann, Michael Benz, Albert Steck, Martin Dahinden, Thomas Fedier, Alfred Mettler, Brigitte Strebel, Mirjam Staub-Bisang, Kim Iskyan, Stephen Dover, Denise Kenyon-Rouvinez, Christian Dreyer, Kinan Khadam-Al-Jame, Robert Hemmi, Anton Affentranger, Yves Mirabaud, Hans-Martin Kraus, Gérard Guerdat, Mario Bassi, Stephen Thariyan, Dan Steinbock, Rino Borini, Bert Flossbach, Michael Hasenstab, Guido Schilling, Werner E. Rutsch, Dorte Bech Vizard, Maya Bhandari, Jean Tirole, Hans Jakob Roth, Marco Martinelli, Thomas Sutter, Tom King, Werner Peyer, Thomas Kupfer, Peter Kurer, Arturo Bris, Frédéric Papp, James Syme, Dennis Larsen, Bernd Kramer, Armin Jans, Nicolas Roth, Hans Ulrich Jost, Patrick Hunger, Fabrizio Quirighetti, Claire Shaw, Peter Fanconi, Alex Wolf, Dan Steinbock, Patrick Scheurle, Sandro Occhilupo, Will Ballard, Nicholas Yeo, Claude-Alain Margelisch, Jean-François Hirschel, Jens Pongratz, Samuel Gerber, Philipp Weckherlin, Anne Richards, Antoni Trenchev, Benoit Barbereau, Pascal R. Bersier, Shaul Lifshitz, Ana Botín, Martin Gilbert, Jesper Koll, Ingo Rauser, Carlo Capaul, Markus Winkler, Thomas Steinemann, Christina Böck, Guillaume Compeyron, Miro Zivkovic, Alexander F. Wagner, Eric Heymann, Christoph Sax, Felix Brem, Jochen Möbert, Jacques-Aurélien Marcireau, Ursula Finsterwald, Michel Longhini, Stefan Blum, Nicolas Ramelet, Søren Bjønness, Gilles Prince, Shanu Hinduja, Salman Ahmed, Peter van der Welle, Ken Orchard, Christian Gast, Jürgen Braunstein, Jeffrey Vögeli, Fiona Frick, Stefan Schneider, Matthias Hunn, Andreas Vetsch, Mark Hawtin, Fabiana Fedeli, Kim Fournais, Carole Millet, Swetha Ramachandran, Thomas Stucki, Neil Shearing, Tom Naratil, Oliver Berger, Robert Sharps, Tobias Müller, Florian Wicki, Jean Keller, Niels Lan Doky, Johnny El Hachem, Judith Basad, Katharina Bart, Thorsten Polleit, Peter Schmid, Karam Hinduja, Zsolt Kohalmi, Raphaël Surber, Santosh Brivio, Mark Urquhart, Bruno Capone, Peter Hody, Agniszka Walorska, Thomas Müller, Ebrahim Attarzadeh, Marcel Hostettler, Hui Zhang, Angela Agostini, Guy de Blonay, Tatjana Greil Castro, Jean-Baptiste Berthon, Dietrich Grönemeyer, Mobeen Tahir, Didier Saint-Georges, Serge Tabachnik, Vega Ibanez, David Folkerts-Landau, Michael Welti, Mihkel Vitsur, Roman Balzan, Todd Saligman, Stuart Dunbar, Carina Schaurte, Birte Orth-Freese, Gun Woo, Lamara von Albertini, Ramon Vogt, Andrea Hoffmann, Niccolò Garzelli, Darren Williams, Benjamin Böhner, Mike Judith, Jared Cook, Henk Grootveld, Roman Gaus, Nicolas Faller, Anna Stünzi, Thomas Höhne-Sparborth, Fabrizio Pagani, Guy de Blonay, Jan Boudewijns, Sean Hagerty, Alina Donets, Sébastien Galy, Roman von Ah, Fernando Fernández, Georg von Wyss, Stefan Bannwart, Andreas Britt, Frédéric Leroux, Nick Platjouw, Rolando Grandi, Philipp Kaupke, Gérard Piasko, Brad Slingerlend, Dieter Wermuth, Grégoire Bordier, Gianluca Gerosa, Michael Bornhäusser, Christine Houston, Manuel Romera Robles, Fabian Käslin, Claudia Kraaz, Marco Huwiler, Lukas Zihlmann, Sherif Mamdouh, Harald Preissler, Taimur Hyat, Philipp Cottier, Andreas Herrmann, Camille Vial, Marcus Hüttinger, Serge Beck, Alannah Beer, Stéphane Monier, Ashley Semmens, Lars Jaeger, Shanna Strauss-Frank, Bertrand Binggeli, Marionna Wegenstein, George Muzinich, Jian Shi Cortesi, Razan Nasser, Nicolas Forest, Jörg Rütschi, Reto Jauch, Bernardo Brunschwiler, Charles-Henry Monchau, Nicolas Ramelet, Ha Duong, Teodoro Cocca, Jan Brzezek, Nicolas Mousset, Beat Weiss, Pascal Mischler, Andrew Isbester, Konrad Hummler, Jan Beckers, Martin Velten, Katharine Neiss, Claude Baumann, Daniel Roarty, Kubilaqy Yalcin, Robert Almeida, Karin M. Klossek, Marc Taverner, Charlie T. Munger, Daniel Kobler, Patrick Stauber, Anna Rosenberg, Judith Wallenstein, Adriano Lucatelli, Daniel Goleman, Val Olson, Brice Prunas, Frances Weir, Luis Maldonado, Francesco Magistra, Nadège Lesueur-Pène, Massimo Pedrazzini, Eric Sarasin, Dina Ting, Christopher Gannatti, Shaniel Ramjee, Mihkel Vitsur, Nannette Hechler-Fayd'herbe, Ralph Ebert, Mark Denham, Francesco Mandalà, Mariolina Esposito, Maryann Umoren Selfe, Dominique Gerster, Christian Kälin, Nadège Dufossé, Benjamin Melman, Brigitte Kaps, Florin Baeriswyl, Marc Reinhardt, Thomas Holderegger, Beat Wittmann, Bruno Cavalier, Gary Burnison, Louise Curran, Adrian Cox, Philip Adler, Serge Fehr, Marc Lussy, Axel Brosey, Colin Vidal, Vivien Jain, Ralf Zellweger, Maria Vassalou, Nico Fiore, Gary Burnison, Thomas Signer, Brigitte Kaps, Andreas Ita, Jacques-Aurélien Marcireau, Leon Curti, Remo Badertscher, Alexis Marinof und Olivier Kessler.