Trump weckt animalische Instinkte bei US-Banken
Beim Interview-Schaulaufen der Bank-Manager am WEF in Davos ist viel Optimismus in Bezug auf die erwartete De-Regulierungswelle in den USA zu spüren. Während die US-Banken einen Aufbruch erwarten, befürchten einige europäische Akteure ins Hintertreffen zu geraten.
Die US-Banken befinden sich laut einer hochrangigen Managerin von J.P. Morgan Chase «im Aufbruch». Wealth-Management-Chefin Mary Erdoes sieht «die animalischen Instinkte geweckt» (animal spirits). Die Wall Street setze darauf, dass ein weniger strenges Regulierungsregime unter Präsident Donald Trump die Unternehmenstransaktionen in den USA ankurbeln wird.
«Wenn man sich die vorhergehende Regierung und die Anzahl der neuen, bedeutenden Verordnungen ansieht, so war die Anzahl der bedeutenden neuen Regulierungen achtmal so hoch wie unter der vorherigen Trump-Regierung», sagte Erdoes an einem Panel am WEF, wie die «Financial Times» berichtet. Sie erwartet, dass Trumps Regulierungsansatz die US-Wirtschaft ankurbeln werde und einige der Belastungen, welche die Regierung von Joe Biden dem Bankensektor auferlegt hat, rückgängig gemacht werden.
Schwungrad weiter drehen
«Das bedeutet mehrere Millionen Arbeitsstunden an Papierkram. Arbeit ... die das System verstopft und die Wirtschaft daran hindert, ihr gesundes Schwungrad weiter zu drehen. Wir freuen uns also sehr darauf», sagte Erdoes weiter.
Die Managerin, die auch als mögliche Nachfolgerin von J.P. Morgan-CEO Jamie Dimon gehandelt wird, rechnet zudem mit mehr Geschäftsabschlüssen und Börsengängen in den USA. «Unternehmen wollen oder können wegen der hohen regulatorischen Belastung nicht an die Börse gehen, und das wird sich hoffentlich ändern», sagte sie.
«Die Zeit wird es zeigen, aber vieles davon ist genau das, was man tun würde, um ein sehr wirtschaftsfreundliches Umfeld zu schaffen», sagte Erdoes weiter. Sie hofft, dass die USA anderen Regierungen in der Welt voraus sein werden, «so dass wir weiterhin wettbewerbsfähig bleiben können.»
Intelligente Deregulierung wäre hilfreich
Ins gleiche Horn stiess auch State Street-CEO Ron O'Hanley: «Deregulierung, insbesondere wenn es sich um eine intelligente Deregulierung handelt, wird für viele Unternehmen hilfreich sein», sagte er. «Die Hoffnung der Banker, von uns allen, ist, dass es zumindest nicht zu mehr Regulierung kommt.»
Andrea Orcel, CEO der italienischen UniCredit befürchtet eine sich vergrössernde Regulatorische Kluft. «Die Erwartung ist, dass die USA Europa weit voraus sein werden, da sie weniger reguliert sind», sagte er laut einem Bericht von «Bloomberg». «Das wird ein Wettbewerbsnachteil für uns werden.»
Bereits zuvor hatte UBS-CEO Sergio Ermotti vor zu grossen Erwartungen in Bezug auf Deregulierung gewarnt. Er rechnet nicht damit, dass es im Banking eine grosse Deregulierungswelle geben wird, sagte in in einem Interview mit «CNBC». «Zumindest für die grossen Banken ist das auch gerechtfertigt. Ich glaube sie sollten nicht massiv dereguliert werden.» Ermotti rechnet aber damit, dass in Zukunft wieder Konsolidierung bei den kleineren Instituten im US-Banksektor möglich werden.
«Für uns ist es wichtiger, dass keine neue Regulierung hinzukommt, als dass bestehende abgebaut wird.»
Der Begriff «animal spirits» (animalische Instinkte oder Lebensgeister) in der Ökonomie wurde von John Maynard Keynes geprägt. Das bezieht sich auf irrationale Elemente im Verhalten wie den instinktive Drang zu handeln, statt inaktiv zu bleiben, Emotionen oder Herdenverhalten.