Wie die US-Zollrate die Konjunktur ausbremst

Mit den am sogenannten «Liberation Day» von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle will die neue Regierung das die ihrer Ansicht nach bestehenden Ungleichgewichte im Aussenhandel angehen. Die Höhe der Zölle hat alle Vorhersagen und Erwartungen in den Schatten gestellt. Das wird auch die Konjunktur in den USA belasten.

Beim Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar lag die effektive Zoll-Rate in den USA bei rund 2,5 Prozent. Schon allein die Aussicht auf die Zölle hatte die Unsicherheit der Anleger beim Blick auf die Handelspolitik steigen lassen.

Noch am vergangenen Dienstag hatte etwa Pimco an einem Medienanlass betont, dass man als Base Case von einem Anstieg der US-Zollrate auf einen Wert um die Marke von 12 Prozent ausgeht. Der angenommene Höchstwert lag bei 20 Prozent. Doch nur wenige Stunden später war das aber bereits Makulatur.

Laut Berechnung der Ratingagentur Fitch dürften mit den nun verhängten Zöllen die Rate auf rund 25 Prozent steigen und damit klar höher liegen als die von den Volkswirten erwarteten Marken. «Die US-Zölle haben ein Ausmass erreicht, das die globalen Wirtschaftsaussichten verändert, das Risiko einer Rezession in den USA deutlich erhöht und die Möglichkeiten der US-Notenbank zu weiteren Zinssenkungen einschränkt», schreibt Fitch in einem Kommentar. Hier war man zuvor von einer Zoll-Rate von 18 Prozent für 2025 ausgegangen.

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(Grafik: Fitch Ratings)

Laut Libby Cantrill (Bild unten), Head of Public Policy bei Pimco, sind Zölle ein zentrales Element der Politik von Donald Trump. Die Expertin des auf Fixed Income spezialisierten Vermögensverwalters geht davon aus das jeder zusätzliche Prozentpunkt bei der effektiven Zollrate bei der BIP-Entwicklung einen Effekt von rund 10 Basispunkten haben wird.

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Trump sei bereits seit den 80ger Jahren auf das Thema fixiert. Er betrachtet das Handelsdefizit der USA als ein fundamentales Problem und Zölle als das probate Werkzeug, um dies anzugehen. Andere Aspekte wie Währungen, Steuern oder Subventionen träten dagegen in den Hintergrund.

Zwar werde sich Trump auch offen gegenüber Deals zeigen und die Zölle dabei bis zu einem gewissen Grad als Verhandlungsmasse einsetzen, das Ziel die Handelsbilanzdefizite abzubauen werde dabei aber bestehen bleiben.

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(Grafik: Pimco)

Es gebe Anzeichen dafür, dass Trump eher eine Schwächung des Dollar bevorzugen würde. Seine Signale seien hier aber widersprüchlich.

Auch die Fixierung auf den Warenverkehr wird von Cantrill als problematisch gesehen. Das lasse ausser Acht, dass unter Einbezug der Dienstleistungen die USA mit vielen Ländern eine positive Handelsbilanz aufweisen.

Insgesamt rechnet die Politik-Expertin damit, dass während Trumps Amtszeit fünf Themen beherrschend sein werden. Das fasst sie unter dem Begriff der «five Ds» zusammen. Das sind auf englisch Deglobalization, Deportation, Deficit-financed tax cuts, Doge und Deregulation.

Die neue Administration sei deutlich besser vorbereitet gewesen, als das während Trumps erster Präsidentschaft der Fall gewesen sei. Von den inzwischen mehr als 90 erlassenen Executive Orders würden derzeit etwa die die Hälfte gerichtlich überprüft, wurden bereits abgelehnt oder ausgesetzt. «Das ist auch so beabsichtigt. Die Push-Backs wurden einkalkuliert.» Die Administration sei stark auf die legalen Aspekte fokussiert und beabsichtige über entsprechende Urteile die Grenzpflöcke zu verschieben.