Carsten K. Rath: «Selten eine solch gelungene Symbiose gesehen»

Manchmal gelingt sie eben doch: die Verknüpfung von Tradition und Fortschritt. Hotel-Experte Carsten K. Rath findet in einem Berliner Hotel modernes Design, alte Handwerkskunst – und in der Kulinarik eine neue Perle entdeckt.

KPM – das ist die Königliche Porzellan-Manufaktur. Sie wurde vor rund 250 Jahren von Friedrich II., König von Preussen, gegründet. Sieben weitere Könige und Kaiser folgten, bis die Manufaktur 1918 in staatlichen Besitz überging.

Deutsche Luxusmarke wagt Schritt in Hotellerie

Noch heute entstehen hier, mitten im Herzen Berlins, edle Porzellan-Kreationen, die weltweit bekannt sind. Und direkt gegenüber: das ebenso edle «KPM Hotel & Residences». Der Einstieg von KPM in die Hotellerie ist eine bedeutsame Neuigkeit: Sie ist die erste deutsche Luxusmarke, die diesen Schritt wagt. Armani und Bulagari haben es mit ihren Hotels bereits vorgemacht.

Das Hotel befindet sich in bester Lage, zwischen Spree und Zoologischem Garten. Während die Porzellan-Manufaktur in rotem Backstein erbaut wurde, präsentiert sich das moderne «KPM Hotel» (Eröffnung Ende 2019) überwiegend in Schwarz.

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Die gewagte Fassade des «KPM Hotels» in Berlin. (Bild: WhiteKitchen)

Der Fluch des Kritikers: Seit Jahrzehnten bin ich in der Hotellerie  – und oft in Hotels – zu Hause. Den inneren Hotel-Tester kann ich also nur schwer abschalten. Der Check-in ist für mich immer der erste und wichtigste Eindruck, der zählt. Und im «KPM Hotel» verlief er so, wie ich ihn mir lobe: schnell und unkompliziert, dabei doch herzlich und persönlich. 

 Ein Traum für alle Designliebhaber

Anschliessend werde ich in die «Mandorla-Suite» geführt, die auf der Hotel-Webseite als «Inszenierung des Funktionalen» gepriesen wird. Die Suite hat der Stuttgarter Künstler Reiner Xaver Sedelmeier «kunstvoll individualisiert». Sie ist funkelnagelneu und entschieden modern: Das mandelförmige, ursprünglich in der Sakralkunst beheimatete Mandorla-Motiv, das Sedelmeier in Zusammenarbeit mit KPM-Chefdesigner Thomas Wenzel kreiert hat, ziert Becher, Vasen und Teller.

Die feinen Porzellanstücke verleihen der grosszügig angelegten Suite mit Blick auf die Skyline Berlins ein Element von Traditionsbewusstsein. Ein Traum für alle Designliebhaber. Auch wenn ich sagen muss, dass ich mich in Zimmern wohler fühle, die eine gemütlichere Atmosphäre ausstrahlen – mit wärmeren Materialien, weicheren Texturen oder einer Farbpalette jenseits von schwarz und weiss.

Eine neue Perle

In Berlin gibt es wahrlich keinen Mangel an erstklassigen Restaurants. Auch der «China Club», mein chinesisches Lieblingsrestaurant (zumindest ausserhalb von China), befindet sich in der Hauptstadt. Doch mit dem «DONG A», dem Hotelrestaurant des  KPM, habe ich eine neue Perle entdeckt: Wer Asian Easy Dining liebt, ist hier genau richtig: Es gibt japanische Udonnudeln, schottischen Lachs mit Chili-Hibiscus-Kimchi-Seetang-Gurkensalat oder die klassischen Frühlingsrollen – serviert natürlich auf Porzellan aus der gegenüberliegenden Manufaktur. 

Apropos: Einen Besuch der «KPM Mitmach-Manufaktur» möchte ich allen ans Herz legen. Hier kann man sich aus eigener Hand ein Souvenir aus Porzellan formen – unter der freundlichen Leitung erfahrener Porzellankünstlerinnen.

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Wer asiatische Küche liebt, wird begeistert sein vom «DONG A». (Bild: WhiteKitchen)

Auch Sportwagenliebhaber kommen während eines Aufenthaltes im «KPM Hotel»  auf ihre Kosten. Alle Hotelgäste können sich einen Porsche Taycan kostenlos ausleihen, um mit 408 elektrisch erzeugten PS Stadt und Umgebung zu erkunden.

Ich lasse es lieber etwas gemütlicher angehen und schaue mir den Saunabereich und das angrenzende Fitnessstudio an. Nicht sonderlich gross, aber funktional und elegant, so wie der Rest des Hotels. Per Tablet kann man sich auch Massagen von «Soulhouse» buchen, die im eigenen Zimmer stattfinden.

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Die Dachterasse des KPM mit Blick über die Dächer Berlins. (Bild: Sven Peter) 

Auch für geschäftliche Anlässe bietet das «KPM Hotel» ideale Voraussetzungen. In den letzten Jahren hat es sich als eine der angesagtesten Event- und Tagungs-Locations Berlins etabliert. Ob Abendveranstaltungen, Konferenzen oder Meetings: das KPM bietet die passenden Räumlichkeiten –, und erstklassiges Catering obendrein.

Inhaber Jörg Woltmann und Hoteldirektor Tobias Berghäuser haben es geschafft, ein längst zum Klischee verkommenes Motto Realität werden zu lassen: Sie haben Moderne und Tradition erfolgreich miteinander verbunden. Selten habe ich eine so gelungene Symbiose von Alt und Neu gesehen: Jahrtausende altes Handwerk in den denkmalgeschützten Backsteingebäuden der Porzellan-Manufaktur, und nebenan die modern-minimalistische «Mandorla-Suite».

Ausgezeichnete Alternative zu Berlins etablierten Adressen 

Ein Aspekt, der sehr viel über die Qualität eines Hotels aussagt, ist die Aufmerksamkeit, Proaktivität und Herzlichkeit des Personals. KPM-Chef-Concierge Michael Vogt verkörpert sie exemplarisch. Er lud mich auf ein Glas Schaumwein ein und erzählte mir so manches über Berlin, das mir trotz meiner engen Verbindung zu dieser Stadt neu war.

Das «KPM Hotel» ist eine ausgezeichnete Alternative zu den etablierten Adressen Berlins – vor allem für Design- und Kunstinteressierte, aber auch für Geschäftsreisende und Tagungsteilnehmer. Das Hotel gehört zu Recht zu den 101 Besten Deutschlands.


Als früherer Grand-Hotelier und Betreiber des Hotel Rankings «Die 101 besten Hotels» ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für finews.ch schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

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