Postfinance, UBS, ZKB: Die wichtigsten Botschaften der CEOs

Die Chefs von drei der vier systemrelevanten Schweizer Banken nutzten am Donnerstag eine Veranstaltung in Zürich dazu, ihre Botschaften unters Publikum zu bringen. finews.ch hat genau zugehört, was Beat Röthlisberger, Sergio Ermotti und Urs Baumann zu sagen hatten.

Das Programm des zum 23. mal von «Finanz und Wirtschaft»(FuW) durchgeführten Forums «Vision Bank - Vision Finanzplatz Schweiz» zum Thema «Evolution der Bankenmodelle» war vollgepackt. Es ging am Donnerstagnachmittag im SIX Convention Point vor vollen Rängen um die Auswirkungen der Geopolitik auf die Finanzmärkte, die Zukunft des Firmenkundengeschäfts, die Bedeutung des Asset Managements, die Trends in den Private Markets und die Geschäftsmodelle der Banken.

Höhepunkt waren aber die Referate bzw. Gespräche mit den Männern, die drei systemrelevante Schweizer Banken führen. FuW war es nämlich gelungen, die Chefs von Postfinance, UBS und Zürcher Kantonalbank (ZKB) für die Veranstaltung zu gewinnen.

Alle drei äusserten sich zu Regulierungsfragen, insbesondere auch zu der nach dem Fall Credit Suisse (CS) neu entbrannten Debatte, wie viel Eigenkapital systemrelevante Banken im Rahmen des Too-big-to-fail-Konzepts (TBTF) künftig halten sollten. Sie nahmen aber auch zu anderen Themen Stellung. finews.ch fasst die wichtigsten Botschaften der CEOs (in der Reihenfolge ihres Auftritts) zusammen.

Seit 2024 CEO der Postfinance. (Bild: Postfinance)

Beat Röthlisberger

  • Privatisierung: Nach dem krachenden Scheitern einer entsprechenden Vorlage im Parlament im Jahr 2022 ist sie bis auf weiteres kein Thema.
  • Kreditverbot: Weil die Postfinance keine Kredite vergeben darf und die Anlagemöglichkeiten am Markt für Frankenanleihen und Darlehen begrenzt sind, muss sie 25 Milliarden Franken im Ausland investieren. «Da blutet mein volkswirtschaftliches Herz».
  • Firmenkundengeschäft: «Wir wären bereit für KMU, es braucht dazu aber eine Änderung des Postorganisationsgesetzes.» Röthlisberger lässt durchblicken, dass er dafür in Kauf nähme, weiterhin auf das Hypothekargeschäft zu verzichten, um den Bedenken der Kantonalbanken Rechnung zu tragen.
  • Eigenkapitalregeln Basel III final: «Wir müssen heute weniger Eigenkapital halten als früher.»
  • Kryptodienstleistungen der Postfinance: «Ein Grund für unser Engagement war, dass wir Abflüsse von Kundengeldern in der Höhe von 1,5 Milliarden Franken an Kryptobörsen beobachtet haben.»

Sergio Ermotti UBS

Seit 2023 (wieder) CEO der UBS. (Bild: UBS)

Sergio Ermotti

  • Fall CS: Hier war nicht zu wenig Eigenkapital das Problem, sondern das falsche Geschäftsmodell und ein Management sowie Aktionäre, die nicht handelten. Und ohne die Zugeständnisse der Finma (regulatorischer Filter) hätte die CS gar nicht so lange so wirtschaften können.
  • Eigenkapital: «Entscheidend ist die Qualität des Eigenkapitals». Noch höhere Eigenkapitalanforderungen an die UBS bedeuten eine Verwässerung für die Aktionäre, höhere Kreditkosten für die Haushalte und Unternehmen in der Schweiz und international einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
  • Bedeutung der Aktionäre: «Bei einer allfälligen Rekapitalisierung einer Bank sind die Aktionäre die erste Verteidigungslinie.» Sie werden nur dann wieder Aktien kaufen, wenn die Bank ein attraktives Geschäftsmodell hat. 
  • Debatte über das Eigenkapital: «Man nimmt in der Schweiz die UBS nur als Gefahr wahr.» Daran schuld trägt gemäss Ermotti die «Propaganda von Intelligenzija und Medien». Sein Anliegen: «Wir wollen, dass alle verstehen, was Kosten und Nutzen strengerer Eigenkapitalvorschriften sind.»
  • Grösse der UBS: «2007 betrug die kumulierte Bilanzsumme von CS und UBS 3,7 Billionen Franken, davon 75 Prozent aus dem Investment Banking. Heute hat UBS eine Bilanz von 1,5 Billionen Franken, mit einem Investment-Banking-Anteil von 25 Prozent.» Viele Kantonalbanken haben im Vergleich zur Wirtschaftsleistung ihres Kantons eine  grössere Bilanz als die UBS zur Schweiz.
  • Qualität der Bilanz: UBS verfügt heute über 200 Milliarden Franken verlustabsorbierendes Kapital, was viermal dem Verlust in der Finanzkrise entspricht. «Das Risiko für den Schweizer Steuerzahler ist sehr tief.»
  • Staatliche Liquiditätssicherung (Public Liquidity Backstop, PLB): «Ausserhalb der Schweiz spricht niemand darüber, dass die Banken den PLB mit einer Prämie im Voraus finanzieren sollen.» In jüngsten Studie der Universität Bern dazu (zu der finews.ch mit einem der Verfasser ein Interview führte) hat es laut Ermotti kaum eine Zahl, die stimmt. Und zum moderierenden FuW-Chefredaktor: «Bitte die nächste Frage.»
  • Allfälliger Wegzug der UBS: «Swissness ist ein Teil unseres Erfolgs. UBS ist ein Mehrwert für die Schweiz.»
  • Gefahren des US-Geschäfts: UBS ist dort in der Vermögensverwaltung erfolgreich, nicht wie vor der Finanzkrise im Investment Banking. «Unsere Aktionäre würden uns bestrafen, wenn wir wieder mehr ins Investment Banking gehen wollten.»

Urs Baumann CEO ZKB

Seit 2022 CEO der Zürcher Kantonalbank. (Bild: ZKB)

Urs Baumann

  • Fall CS: Diese ist nicht an fehlendem Kapital, sondern an mangelnder Liquidität gestorben. «Ich verstehe nicht, wie die Finma der CS als einziger Bank einen regulatorischen Filter gewähren konnte.»
  • Eigenkapital: «Da bin ich einig mit Sergio, die Qualität des Eigenkapitals ist entscheidend.» Die ZKB hält heute bereits einen Viertel ihrer Bilanz in flüssigen Mitteln. Die Folge höherer Anforderungen: «Wir müssten die Kosten auf die Kunden überwälzen und könnten immer weniger Kredite vergeben.»
  • Grösse der UBS und der Kantonalbanken: Die Bilanz der ZKB ist gemessen an der Wertschöpfung des Kantons weniger gross als diejenige der UBS für die Schweiz. «Wir wachsen verantwortungsvoll mit dem Kanton Zürich.» Ein relativ hohes Gewicht haben einige Kantonalbanken in kleinen Kantonen. «Sollte eine solche in Schwierigkeiten geraten, wäre das aber kein Problem für das System, weil sie einfach von anderen Banken aufgekauft würde.»
  • Unterschied zwischen UBS und ZKB: «Bei uns als inländischer Bank wäre eine Abwicklung auf Basis des Notfallplans möglich.» Bei einer international tätigen Bank spielen dagegen ausländische Interessen eine wichtige Rolle, was eine Resolution fast verunmöglicht.
  • Staatliche Liquiditätssicherung (PLB): Es gibt keine Garantie, und die Liquidität wird nicht gratis, sondern gegen einen Zins zur Verfügung gestellt. «Es handelt sich also nicht um ein Versicherungsmodell, und deshalb ist eine Prämie nicht sinnvoll.» Ausserdem hat die ZKB eine viel breiter wirkende Staatsgarantie, die sie dem Kanton auch finanziell abgilt. 
  • Firmenkundengeschäft: Die Bedürfnisse der KMU werden vom Finanzplatz gut abgedeckt. Probleme haben grössere Unternehmen, die sich nur im Inland refinanzieren müssen. «Die CS war eine Bank, die ein Unternehmer-Gen hatte und entsprechend auch bei den Finanzierungen einen höheren Risikoappetit zeigte.» Heute müssen Geschäftsmodelle von Firmen dagegen «bankable» sein.
  • Vorwurf der Margentreiberei: Die Marge bei Firmenkrediten ist unverändert geblieben, aber der Preis ist gestiegen. Grund: «Die Refinanzierungskosten für die Banken haben sich stark erhöht, auch für die ZKB. In den letzten zwölf Monaten haben sich die Aufschläge für uns verdoppelt.»