Das Problem vieler Banken mit ihren risikoscheuen Kunden
Trotz Negativzinsen und kümmerlichen Renditen sind viele Anleger unglaublich träge, wie eine Erhebung des US-Vermögensverwalters Blackrock in der Schweiz eindrücklich zeigt.
Für manche Finanzinstitute hatte das Ende der Frankenanbindung an den Euro und die Verschärfung der Negativzinsen im vergangenen Januar durchaus auch Positives: Kunden, vornehmlich aus dem institutionellen Bereich, sahen sich von da an offenbar gezwungen, ihre Anlagestrategien zu überdenken und auf renditestärkere Produkte umzuschwenken.
Dies schafft Nachfrage nach Beratungslösungen und löst Geldflüsse in neue Produktbereiche aus.
Unsicherheit weitgehend verflogen
Der Privatkunde ist allerdings träger, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie von Blackrock zeigt. Nur 15 Prozent hätten als Folge der Ankündigung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) Änderungen in ihrem Portfolio vorgenommen. Knapp ein weiteres Fünftel verfolgte eine «wait and see»-Strategie.
Paradox aus Sicht von Asset Managern wie Blackrock: Die Anleger hätten zwar die Auswirkungen des SNB-Entscheids verstanden, aber nach der anfänglich doch grossen Unsicherheit unter vielen Anlegern und Bankkunden sei nun wieder Ruhe eingekehrt, sagt André Bantli (Bild links), Leiter Privatkunden bei Blackrock, im Gespräch mit finews.ch.
Anlegern ist ihr Fehler bewusst
Mit anderen Worten: Weder an der Risikoaversion der Schweizer noch an ihrer Liebe zum Bargeld hat sich viel geändert. Die Zahlen der Blackrock-Umfrage belegen dies: Wohlhabende Investoren mit Vermögen über 1 Million Franken halten 34 Prozent ihrer Vermögen in bar.
Ein weiteres Paradox: Den Befragten ist eigentlich bewusst, dass dies zu viel ist. Aus Sicht der Banken ist es sowieso zu viel, können sie mit dem Bargeld ihrer Kunden doch kein Geld verdienen.
Hoffnung auf neue Beratungslösungen
«Wir glauben, dass sich die Cash-Quote unter den Schweizer Anlegern tendenziell verringern wird. Dazu werden auch die neuen Beratungsansätze der Banken verhelfen», sagt Bantli. Immer mehr Schweizer Privatbanken schwenken auf Beratungslösungen mit fixen und transparenten Gebührenstrukturen um.
Erhebungen haben gezeigt, dass mit der Beratungsintensität eines Kunden auch seine Anlagequote steigt; und vorhandenes Bargeld also vermehrt in Aktien- oder Obligationen fliesst.
Nie ein Bankberater
In diesem Bereich liegt für Banken tatsächlich Kundenpotenzial brach. Gemäss Blackrock-Studie nimmt ein Fünftel aller Privatkunden nie einen Bankberater in Anspruch.
Im gegenwärtigen Umfeld wäre dies aus Sicht von Banken und Vermögensverwaltern aber nötig. Berechnungen zeigen, dass mit den bestehenden Cash-Quoten und der bevorzugten Allokation in traditionelle Obligationenfonds die notwendigen Renditen nicht erzielt werden können, um im Rentenbereich den zukünftigen finanziellen Bedarf im Pensionsalter zu decken.
Mehr Risiko nötig
Es sei darum ein Ding der Notwendigkeit, dass Schweizer Anleger risikofähiger und auf renditestärkere Anlagelösungen umschwenken würden, so Bantli.
Die Umfrageergebnisse machen vorerst noch wenig Hoffnung, dass sich an der konservativen Einstellung der Schweizer Privatkunden viel ändern wird: Weniger als ein Viertel ist derzeit bereit, Investitionen in risikoreicheren Finanzanlagen zu tätigen.
Das Verharren auf den eingenommenen Positionen geht sogar soweit, dass nur die Hälfte der Befragten ihre Bank wechseln würde, sollte diese die Negativzinsen ihnen aktiv weiterverrechnen.