Strafzölle: Wofür Josef Ackermann jetzt plädiert
Am Schwyzer Literaturfest zeigte sich Ex-Topbanker Josef Ackermann sowohl als Wirtschaftsexperte wie auch als Goethe-Kenner. Während er Trumps neue Zollpolitik als riskant für Schweizer KMU einstuft, lobt er den Bundesrat.
Am 2. Schwyzer Literaturfest sprach der ehemalige Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann nicht nur über Goethes ambivalentes Verhältnis zum Geld, sondern auch über die wirtschaftspolitischen Herausforderungen unter Donald Trump.
In einem Gespräch äusserte sich Ackermann kritisch zu den von Trump erneut verhängten Strafzöllen gegenüber der Schweiz, wie der «Bote der Urschweiz» schreibt. Die Strafzölle seien in ihrer Ausgestaltung nicht nachvollziehbar und würden vor allem kleine und mittlere Zulieferbetriebe treffen – weniger hingegen exportstarke Branchen wie die Pharmaindustrie.
Auf Dialog setzen
Ackermann warnrt vor übereilten Gegenmassnahmen und sprach sich für eine diplomatische Gesprächsführung mit den USA aus: Trump sei ein «Dealmaker», der sich durch Lob und Dialog beeinflussen lasse. «Ich würde mit ihm nun einmal das Gespräch suchen und nicht einfach Gegenmassnahmen ergreifen. Ich denke, am Schluss kommt alles vernünftig heraus», sagte er der Zeitung.
Den Kurs des Bundesrates, vorerst keine Retorsionsmassnahmen zu ergreifen, unterstützt Ackermann vollumfänglich: «Das ist der absolut richtige Weg», so Ackermann.
Im literarischen Teil seines Auftritts ging Ackermann auf Goethes «Faust» ein und zeichnete das Spannungsfeld zwischen Magie und Dämonisierung des Geldes nach. Goethe selbst sei zeitlebens ein Spitzenverdiener gewesen, mit einem geschätzten Vermögen von bis zu 17 Millionen Euro (heutiger Wert).
Zweifel an Friedrich Merz
In der anschliessenden Diskussion teilte Ackermann auch Persönliches: Bildung und lebenslanges Lernen seien für ihn essenziell, ebenso wie der Mut, eigene Prinzipien nicht leichtfertig aufzugeben. Kritik übte er an Unternehmen, die unter politischem Druck Werte wie Diversität opfern.
Auch CDU-Politiker Friedrich Merz stellte er infrage: Friedrich Merz habe ihm immer gesagt, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe keinen Kompass. «Daran zweifle ich bei Merz nun aber auch», schloss der Ex-Top-Banker mit Blick auf das Milliardenpaket, das der künftige Bundeskanzler bereits geschnürt hat.