Das Puff auf dem Pult als Karrierekiller
Viele Finanzhäuser verordnen ihren Leuten eine «Clean-Desk-Policy». Nicht von ungefähr, besagt eine neue Studie.
«Ein jedes Ding an seinem Ort erspart viel Müh und böse Wort»: Solches lernten wir von unseren Grosseltern. Chaotisch veranlagte Zeitgenossen unterminierten diese sorgsam antrainierten Tugenden mit Weisheiten wie «Nur kleine Geister halten Ordnung, das Genie überblickt das Chaos.»
Aufräumen ebnet den Karrierepfad
Für die Liebhaber des kreativen Chaos gibt es jedoch schlechte Nachrichten. Die Personaldienstleistungsfirma Office Team fand in einer Umfrage unter 500 amerikanischen Personalverantwortlichen verschiedener Hierarchiestufen heraus, dass 83 Prozent der HR-Manager Mitarbeiter mit einer Unordnung auf dem Pult als weniger professionell einstufen denn ihre Kollegen, welche die Ordnung nicht nur im Gestell sondern auch im Kopf haben.
Office Team gibt denn auch einige Hinweise, wie man auf den Pfad der Tugend finden oder zurückfinden kann: So hilft es, sein Büro – gerade, wenn Besuch kommt – einmal aus der Aussenperspektive zu betrachten und danach Papierberge rigoros zu reduzieren. Zielführend ist es auch, schon vor der Mittagspause aufzuräumen. So kehrt man viel lieber aus der Mittagspause zurück.
«Zimmerbrand» als Notlüge
Trotz dieser statistisch relevanten Aussage über den Wert der Ordnung für das Weiterkommen im Leben sollten chaotisch veranlagte Zeitgenossen nicht verzweifeln. Selbst Ordnungsliebende haben ihre Momente der Absenz.
So schrieb vor einigen Jahrzehnten ein NZZ-Redaktor höherer Hierarchiestufe an einen Autoren, der sich nach seinem (inzwischen in der Redaktionsstube verlorenen) Manuskript erkundigte: «Sehr geehrter Herr X. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr interessanter Artikel bei einem Zimmerbrand zerstört wurde.»
Zuhause bei Herrn Beethoven
Noch weit abenteuerlicher war hingegen das unbestrittene Genie Ludwig von Beethoven. Zeitgenossen berichteten von Pfannen mit alten Essensresten auf dem Flügel und einem vollen Nachttopf unter dem Flügel. Die zweifellos grenzwertige Mischung von Gerüchen, die dabei entstand, hinderte den grossen Musiker aber offensichtlich nicht am Komponieren der Eroica, der Mondscheinsonate oder des 5. Klavierkonzerts.
Das war zeitlich vor der Ära der HR-Manager und ihren Umfragen. Nichtsdestotrotz sei von einem Interieur, wie es Beethoven hatte, dringend abzuraten.