Der jüngste Streich der Plattners
Bettina und Richard Plattner haben sich als Investoren im Engadin einen Namen geschaffen. 2023 wurden sie zu den Hotelunternehmern des Jahres gewählt. Nun haben sie sich auf ein gänzlich neues Terrain begeben.
Das Hotel ‹Maistra 160› steckt voller Überraschung. Von aussen betrachtet wirkt das Haus nüchtern und kühl, die Raffinessen der Fassade eröffnen sich einem erst auf den zweiten Blick –, umso mehr bestechen das helle, warme Innere des Hause mit dem hohen Raum im Erdgeschoss.
Bettina und Richard Plattner haben sich mit dem Vier-Sterne-Superior-Haus in Pontresina einen Traum verwirklicht und gleichzeitig ein Denkmal gesetzt.
Zusammenarbeit mit Stararchitekt
Wo früher mal das Hotel «Post» stand, haben die beiden zusammen mit Stararchitekt Gion A. Caminada ein beeindruckendes Haus geschaffen. Die wichtigsten Kennziffern: 36 Doppelzimmer, ein Restaurant mit Bar und alpin-orientalischer Küche, elf ins Hotel integrierte Ferienwohnungen und eine Spa- und Wellnesszone mit zum Himmel offenem Innenhof und Kreuzgang sowie vielem mehr.
Das Hotel Maistra 160 in Pontresina. (Bild: Montamont)
Ende Oktober wurde das «Hotel Maistra 160» mit dem Swiss Arc Award 2024 in der Kategorie «Freizeit & Lifestyle» ausgezeichnet. Und Gion A. Caminada erhielt den «Lifetime Achievement Award».
35 Millionen Franken hat der Bau des Maistra gekostet. «So etwas kann man nie amortisieren, das ist eine zu grosse Investition», sagt Bettina Plattner. «Das Hotel Maistra verkörpert alles wofür mein Mann und ich stehen.»
Blick in ein Hotelzimmer im Maistra 160. (Bild: Montamont)
Von der Zürcher Goldküste nach Pontresina ins Engadin
Seit 29 Jahren befindet sich der Lebensmittelpunkt von Bettina Plattner im Oberengadin. Dort lebt sie zusammen mit ihrem Ehemann.
Aufgewachsen ist sie an der Zürcher Goldküste, als jüngste Tochter von Fritz Gerber, einem der einflussreichsten Manager auf dem Finanzplatz Schweiz. Gerber war einer der wenigen, welche gleich bei zwei Schweizer Konzernen eine Führungsposition einnahm: als Präsident des Verwaltungsrates und zugleich CEO beim Pharmariesen Roche und zuvor in der gleichen Doppelfunktion beim Schweizer Versicherungskonzern Zurich.
Statt in die Finanzindustrie zog es Bettina Plattner in den Tourismus. Dort lernte sie auch ihren Mann Richard Plattner kennen; der Südtiroler kam in jungen Jahren als Koch in die Schweiz.
Die beiden sind mittlerweile erfolgreiche Unternehmer im Engadin. Angefangen hatte alles 1996 als Vize-Chefs im «Saratz» in Pontresina, das sie eröffneten und führten, bevor sie die Leitung des legendären «Castell» in Zuoz übernahmen. Das «Castell» hat sich mitunter durch seine Kunstsammlung international einen Namen geschaffen (u.a. Werke von James Turrell, Pipilotti Rist, Fischli-Weiss, Roman Signer).
Investieren in das, was ihnen Spass bereitet
Vor gut zehn Jahren setzten Richard und Bettina Plattner mit gehobenen «Alpine-Lodging»-Ferienwohnungen neue Massstäbe in der Engadiner Parahotellerie.
Und mittlerweile zählt auch noch das «Maistra160» zum kleinen Imperium der Plattners. «Für uns war immer klar», konstatiert die Autorin zweier Fachbücher, «wir investieren sinnvoll und nachhaltig in das, was uns am meisten Spass macht und dort, wo wir am liebsten sind – in die Hotellerie und den Tourismus im Engadin.»
Bettina Plattner legt nicht nur Entschlossenheit an den Tag, sondern verfügt auch über strategische Weitsicht: Ein Ferienort hat heutzutage nur dann eine Zukunft, wenn er ganzjährig Gäste anzieht. «Eine 9-Monate-Saison ist betriebswirtschaftlich schwierig», sagt sie.
Mehr aus dem goldenen Herbst machen. (Bild: Pontresina Tourismus/Romano Salis)
Deshalb haben sich die Plattners schon früh für eine Offensive im Herbst eingesetzt. «Der goldene Herbst ist wunderschön und verwandelt das Oberengadin in eine bezaubernde Gegend. Es wäre sträflich, wenn wir dies potenziellen Gästen nicht näherbringen würden», sagt sie.
«Mind Body Medicine Weeks» ins Leben gerufen
Und weil es nicht schadet, mit gutem Beispiel voranzuschreiten, hat das Ehepaar Plattner diesen Herbst im Hotel Maistra die «Mind Body Medicine Weeks» ins Leben gerufen. Bei Mind Body Medicine handelt es sich um ein integratives Konzept, das den Körper mit der Psyche verbindet und Self Care vermittelt.
Das Hotel hat zusammen mit Fachleuten vom Lehrstuhl für Komplementär- und integrative Medizin der Universität Zürich und dem Schweizer Fachverband für Mind Body Medicine Kurse zum Erlernen eines besseren Stressmanagements und eines gesünderen Lebensstils aufgestellt.
Keine Eintagsfliege
Dabei spielt auch die Natur des Engadins eine wichtige Rolle. Zusätzlich fand Ende November noch ein Fachkongress statt.
Die «Mind Body Medicine Weeks» sollen keine Eintagsfliege sein, sondern künftig jedes Jahr im Herbst über die Bühne gehen. «Ich bin überzeugt, das Thema wird gerade in unseren Breitengraden in den kommenden Jahren noch sehr an Bedeutung zunehmen», sagt Bettina Plattner.