Im Cockpit von SNB-Chef Martin Schlegel

Im Moneyverse spiele ich Martin Schlegel. Vor mir: ein Cockpit, ein Hebel, ein Bildschirm. Ich drehe den Leitzins nach oben — und sofort wird sichtbar, was das auslöst: Kredite werden teurer, die Teuerung sinkt, das Wachstum bremst. Drehe ich nach unten, läuft es umgekehrt: Kredite werden günstiger, die Wirtschaft bekommt Schub, dafür steigt tendenziell die Inflation. Geldpolitik wird plötzlich nicht mehr zur abstrakten Fussnote, sondern zu etwas, das man fast mit der Hand greifen kann.

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Im Kaiserhaus Bern gelegen, dreht sich im Moneyverse alles um eine der bedeutendsten Erfindungen der Menschheit: das Geld. (Bild: Marc Guerraz)

Genau darin liegt die Stärke dieses neuen Ortes im Berner Kaiserhaus. Das neue Moneyverse der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist kein klassisches Museum, sondern ein vierstöckiges Erlebniszentrum, das Geld aus vier Perspektiven betrachtet: historisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich und persönlich. Wer eintritt, merkt schnell: Es geht nicht um ein paar alte Münzen hinter Glas, sondern um Grundfragen unseres Alltags: Was ist Geld, warum vertrauen wir Geld, warum fasziniert uns Geld? 

Multimedial, anschaulich und zugänglich

Eindrücklich gelingt das dort, wo die Arbeit der SNB im Zentrum steht. Verständlich wird erklärt, wie Geldpolitik funktioniert, weshalb der Leitzins so wichtig ist und warum schon kleine Änderungen grosse Folgen haben können. Das gelingt multimedial, anschaulich und so zugänglich, dass auch Laien dem roten Faden mühelos folgen.

Kerbhölzer, Nylonstrümpfe und andere ungewöhnliche Tauschmittel zeigen im historischen Teil: Geld kann viele Formen annehmen. Entscheidend ist nicht das Material, sondern das Vertrauen dahinter. Genau das macht den klugen Reiz dieser Präsentation aus: Sie schaut nicht auf das Objekt, sondern auf das System. 

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An der Money-Bar können sich Besuchende mit den Hosts des Moneyverse austauschen. Für die Pause zwischendurch hält die Jukebox Pink Floyds «Money» oder Gwen Stefanis «Rich Girl» bereit. (Bild: Marc Guerraz)

Spielerisch geht es in der Money Bar zu und her. Kostenlose alkoholfreie Sirup-Signature-Drinks wie der «Cashless-Colada» und der «Cryptopolitan» motivieren die Besuchenden zum Bleiben und Fachsimpeln über Finanzthemen. Spiele und eine Jukebox mit Songs zum Thema Geld wie «Rich Girl» von Gwen Stefani oder «Money» von Pink Floyd rücken die gesellschaftliche Dimension ins Zentrum. Und Geld ist eben nicht nur eine Frage von Zahlen, sondern auch von Gewohnheiten, Werten und Emotionen. Das wird ohne pädagogischen Zeigefinger locker-flockig vermittelt.

Dann geht es unter die Haut: Geldmangel, Unsicherheit und ein Alltag, in dem Geld fehlt. Besonders bleiben die Video-Stationen in den abgedunkelten Kabinen hängen. Wenn eine Protagonistin sagt, Armut fühle sich an, als würde man permanent ertrinken, dann ist das kein musealer Effekt, sondern ein Satz, der nachhallt. Plötzlich wird Geld zur Über-Lebensfrage.

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Was macht die Nationalbank? Warum ist die Schweiz reich? Und macht Geld glücklich? Auf verschiedenen Audio-Walks erkunden Besuchende das Moneyverse. (Bild: Marc Guerraz)

Das Konzept will viel — vielleicht fast zu viel. Aber selbst die Brüche machen den Besuch nicht schwächer, sondern menschlicher. Am Ende bleibt der Eindruck eines ambitionierten, klugen und mutigen Versuchs, Geld und Geldpolitik nicht nur zu erklären, sondern erlebbar zu machen.

Das Moneyverse ist kostenlos, zentral gelegen und gerade jetzt in der Ferienzeit für Familien und neugierige Erwachsene eine im wahrsten Sinne des Wortes coole Alternative zur Badi. Einmal am Leitzins-Hebel ziehen und sehen, was passiert — danach denkt man über Geld mit anderen Augen.


Moneyverse: Museum der Schweizerischen Nationalbank SNB; Kaiserhaus, Marktgasse 37, Bern

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr; Eintritt gratis

Alle Inhalte sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar

Highlights: Leitzins-Cockpit, Money-Bar, viele interaktive Stationen