Christian Katz, der frühere Chef der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, hat neben seinem Job als Verwaltungsrat der Saxo Bank mittlerweile noch diverse andere Mandate. Mehr darüber Im Interview.   


Herr Katz, neben Ihrem Mandat als Vizepräsident der Saxo Bank haben Sie seit September 2016 ein weiteres Amt. Wie ist es dazu gekommen?

Ich kenne die beiden Gründer der XTP Group (XTP), Lutz Johanning, und Wolfram Klingler, schon lange. Sie fragten mich, ob ich als Verwaltungsrat den Ausbau des Unternehmens in der Schweiz und nunmehr auch in den USA unterstützen möchte.

Aufgrund meiner früheren Tätigkeit bei J.P. Morgan und Goldman Sachs sowie als ehemaliger CEO der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange hat mich diese Herausforderung gereizt.

Was macht die XTP Group?

Wir erhöhen durch unsere Analysen die Transparenz für Grossinvestoren und optimieren dadurch Kosten und Prozesse. Die XTP verfügt über ein Modell, mit dessen Hilfe sich zehntausende von Transaktionen, Handelsprozessen und Finanzverträgen miteinander vergleichen lassen. Dadurch können institutionelle Anleger ihre Interaktionen mit Drittparteien analysieren und dabei ersehen, wie effizient sie arbeiten.

Können grosse Anleger das nicht selber?

Ein institutioneller Investor betreut heute oft einen Teil seiner Gelder selber und bewirtschaftet den anderen über Mandate. Dabei fallen entlang der Wertschöpfungskette viele verschiedene Kostenelemente an, von Managementgebühren über Brokerage bis hin zu Geld-/Brief-Spannen.

«Die Einsparungen bewegen sich zwischen 5 und 50 Basispunkten pro Jahr»

In einem diversifizierten Portfolio sind es insgesamt deutlich über 100 Kostenelemente und -prozesse. Wir durchleuchten die gesamte Prozesskette, dafür fehlen den Kunden oft die Ressourcen. Anschliessend stellen wir anhand unserer Datenbank fest, was man optimieren kann, und wo sich Kosten einsparen lassen.

Was zahlt der Kunde für eine solche Analyse?

Meistens läuft die Zusammenarbeit so, dass wir eine kostenlose Vorstudie erstellen, mit der wir evaluieren, ob und in welcher Höhe Einsparungen überhaupt möglich sind. Wir bieten unseren Kunden anschliessend an, mit ihnen ins Risiko zu gehen, indem wir unsere Vergütung an der realisierten Einsparung ausrichten. Wir intervenieren dabei nie in die eigentlichen Investitionsentscheide.

Wie hoch sind im Durchschnitt diese Einsparungen?

Sie bewegen sich zwischen 5 und 50 Basispunkten pro Jahr, über alle Anlagen gemessen. Die Optimierung stellt effektiv eine jährliche Zusatzrendite dar, ohne dass dafür zusätzliche Investmentrisiken übernommen werden müssen. Die Höhe hängt sehr davon ab, wie ein Kunde investiert ist.

Woher beziehen Sie die Daten für Ihre Arbeit?

Einerseits von Handelsplattformen, Börsen und anderen Datenlieferanten. Zudem unterhalten wir eine eigene Datenbank mit mehr als 2'000 Milliarden Aktiven.

«Wir optimieren oft auch passive Mandate»

Über die Datenbank decken wir auch alternative und illiquide Anlagen ab, so dass wir für unsere Kunden eine umfassende Markttransparenz herstellen können.

Ist Ihr Angebot rein digital, oder beruht es auch auf persönlicher Beratung?

Beides. Als Basis dient uns unser digitales Modell, das unsere Spezialisten mit ihrer Erfahrung ergänzen.

Heute legen viele Pensionskassen einen Grossteil ihrer Gelder passiv an. Braucht es Ihre Dienstleistung überhaupt noch?

Wir optimieren regelmässig auch passive Mandate dahingehend, dass die Implementierung effizienter gestaltet wird. Das Bewusstsein für die entsprechenden Kosten bei passiven Anlagen ist nicht sehr ausgeprägt, gerade weil viele Institutionen davon ausgehen, dass bei passiven Anlagen die Kosten keine grosse Rolle spielen.

«Trotz Finanzkrise haben viele Institute ihr Aktien-Exposure nicht substanziell zurückgefahren»

Ich will den Trend zur passiven Vermögensverwaltung nicht bestreiten, aber die meisten Pensionskassen haben zudem nach wie vor auch aktive Mandate, insbesondere im alternativen Bereich. Eine Analyse wie wir sie bieten, ist durchaus für beides, passive und aktive Mandate, gefragt.

Inwiefern haben Pensionskassen und Versicherungen aufgrund Ihrer Erfahrung noch Optimierungspotenzial?

Eine pauschale Aussage ist unmöglich. Die Pensionskassen, mit denen wir zusammenarbeiten, haben die sichtbaren Kostenelemente meist sehr gut im Griff. Es fehlen jedoch die Ressourcen, um die ganze Wertschöpfungskette bis hin zu den impliziten Transaktionskosten und den Nebenkosten von alternativen Anlagen von Grund auf zu analysieren.

Ebenso fehlen oft detaillierte Vergleichsdaten sowie, die Transparenz betreffend, tatsächlich bezahlte Marktpreise. Uns geht es dabei nicht um Marktkonformität innerhalb gewisser Bandbreiten, sondern um die grösstmögliche Effizienz.

Wie professionell arbeiten Schweizer Pensionskassen?

Die Erholung der Deckungsgrade über die vergangenen Jahre ist sicherlich ein Zeichen dafür, dass viele Schweizer Pensionskassen professionell unterwegs sind.

Warum ist das so?

Trotz der Finanzkrise haben viele Institute ihr Aktien-Exposure nicht substanziell zurückgefahren. Ich sehe auch einen Trend dahin, dass sich viele Kassen zunehmend beraten lassen. Insofern ist der Mix hierzulande gut.

«Wir beschäftigen mehr als 20 Mitarbeiter und rekrutieren weiterhin Leute»

Beim Thema Kostentransparenz ist die Schweiz ebenfalls gut unterwegs. Die Vorschriften für die Publikation von TER-Kosten haben die Transparenz insgesamt erhöht, auch wenn Transaktionskosten nach wie vor weitgehend intransparent sind.

Wir gehen weit über die Analyse von TER-Kosten hinaus. Dabei zeigt unsere Erfahrung, dass alleine schon die Herstellung von Transparenz an sich zu einer Optimierung der Kosten führt. Nur was man misst, kann man auch optimieren.

Ist die XTP profitabel?

Wir publizieren keine Zahlen, sind aber profitabel. Die Ursprünge der XTP reichen mehr als zehn Jahre zurück. Zum Kundenstamm gehören einige der führenden institutionellen Investoren Europas, neben Pensionskassen auch Versicherungsunternehmen und staatliche Einrichtungen. Wir beschäftigen mehr als 20 Mitarbeiter und rekrutieren weiterhin Leute.

Welches Erfahrungsprofil sollte man für einen Job bei der XTP mitbringen?

Hohes Technologie- und Zahleninteresse, Handelserfahrung, breit abgestützte Managementerfahrung, Anwaltspraxis, Banking-Know-how, Unternehmertum sind die Kernkompetenzen in unserem Team. Aber auch Studienabgänger, die technisch und betriebswirtschaftlich interessiert sind, engagieren wir gerne.

Seit Ihrem Abgang als CEO der Börsenbetreiberin SIX Group sind Sie vorwiegend als Verwaltungsrat und Berater tätig. Kommt ein CEO-Posten für Sie nicht mehr in Frage?

Natürlich käme ein ähnlicher Führungsjob eventuell auch in Frage. Aber ich bin momentan gut ausgelastet. Wahrscheinlich kommt noch das eine oder andere Mandat hinzu. Die Beratungsfirma MainStrait, die ich mit meinem Geschäftspartner letztes Jahr gegründet habe, entwickelt sich ebenfalls gut. Diese unternehmerischen Aktivitäten sind mein Fokus.


Christian Katz ist heute als Verwaltungsrat und Berater tätig. Bis April 2015 leitete innerhalb der SIX Gruppe den Geschäftsbereich Swiss Exchange. Bevor er Anfang 2009 zur SIX stiess, führte Katz das Representative Office von Goldman Sachs in der Schweiz, wo er sich auf das institutionelle Aktien- und Aktienderivatgeschäft fokussierte. Zuvor war er acht Jahre für J.P. Morgan Chase tätig gewesen.